Ich packe meinen Koffer und nehme mit….

Oktober 6, 2010

Liebe Blogbesucher! Es hat sich einiges getan in den letzten 2 Monaten-nicht so viel auf meinem Blog, doch umsomehr in meinem Leben! Leider kam ich noch nicht dazu, meinen Blog wieder aufzufrischen und euch Updates zu geben. Wichtigste Information erst einmal vorab: Ich bin zurück in Deutschland! Aber vorerst erzähl ich, was vereinzelt noch so geschehen ist. Wie ihr ja wisst, war ich ja im Juni schon einmal unterwegs, und bin 2 Wochen durch Zentralamerika gereist. Im August habe ich dann noch den Rest meiner Ferien in Anspruch angenommen und dachte mir, da ich ja schon ein Jahr in Kolumbien bin, wäre es doch angebracht, auch mehr von diesem Land zu sehen. Also bin ich nach Bogotá, der Hauptstadt Kolumbiens gereist! Bogotá ist immens! Also ich im Juni nach Panama flog, war ich schon beeindruckt wie lange man flog und immer noch diese Metropole sehen konnte. Ich war zu Gast bei einer Familie, die sich sehr gut um mich gekümmert haben und mir ihre Stadt zeigten. Die Stadt gefällt mir super, einziges Minus: nach einem Jahr Karibik und ständig hohen Temperaturen kommt einem die Kälte Bogotás extrem unangenehm vor. Dennoch wurde es noch eine schöne Auszeit bevor es zum letzten Mal wieder zum Arbeiten und danach ins ernste Leben nach Deutschland ging. Eine witzige Begebenheit möchte ich hier noch erzählen. Als ich so bei einer Sightseeing Tour mit einem Freund unterwegs war, dachte ich mir noch so insgeheim, wie lustig es wäre, genau hier in Bogotá zufällig jemanden zu treffen um die These, dass die Erde ein Dorf sei, noch einmal zu untermauern. Dazu muss ich noch anmerken, dass Bogotá mit 7 Millionen Einwohnern im Stadtgebiet, nicht gerade der typische Ort ist, um als Ausländer zufällig irgendeinem Bekannten über den Weg zu laufen. Ok, also pack ich am Plaza Bolívar meine Kamera aus und da kommt so ein Junge und stellt sich direkt vor mir und ich denke mir: Ja was soll denn das jetzt, das ist doch nicht wi….in dem Moment sehe ich wer dieser ach so lustige Mensch ist und mir fällt beinahe die Kinnlade runter, als ich sehe, dass es ein Freund aus Cartagena ist. Ja, Wunder geschehen noch heute! Mit ihm haben wir dann auch noch was ausgemacht und haben uns zum Kaffeetrinken in Bogotá getroffen. Dann ging es aber auch wieder zurück nach Cartagena wo ich die letzten Tage meiner Ferien mit meinen Freunden aus der Umgebung verbrachte-eine endlos geniale Zeit. Dann ging es noch ein mal für ein paar Tage auf die Insel, wo zum Schluss noch Abschied genommen wurde. Das habe ich unter Zeitdruck gemacht und leider nicht mehr alle Freunde angetroffen. Das ist zwar schade, aber Abschiednehmen gehört nicht so zu meinen Lieblingsdisziplinen. Das gleiche Prozedere fand dann noch in Cartagena statt. Doch damit es auch schön im Kopf bleibt, fehlte es auch nicht an einer besonderen Situation ca. 1 Woche vor der Abreise. Ich stieg im Zentrum in einen Bus am frühen Nachmittag. Ich nahm einen Sitzplatz hinten ein, direkt an der Tür, damit mir die frische Luft gegen die Hitze hülfe. Nun, leider saß weit und breit sonst keiner mehr und nach ein paar Minuten stieg ein junger Mann ein, der mich anschaute und sofort ansprachm woher ich denn sei. Gleich setzte er ein:“ Brauchst keine Angst haben, ich mache dir nichts!“ hinten dran. Da bemerkte ich auch schon, wie sein Auge verdächtig meinen Ipod un mein Handy (welche ich beide zu der Zeit in der Hand hielt) beobachtete. In dem Moment sagt er mir, dass er keine Probleme haben wolle und holt unter seinem Hemd eine Pistole hervor. Schon greift er nach meinem Ipod, doch reflexartig griff ich hinterher und holte ihn mir zurück und sagte nur: DEN IPOD NICHT! Das verdutzte ihn ziemlich und ich fing an auf ihn einzureden, von wegen ich helfe seinem Land und so. Doch das interessierte ihn nicht, doch am Ende ging alles glimpflich aus, er bekam etwas Geld und sprang aus dem Bus. Ich bin Gott echt dankbar für den Schutz! Ich hatte nämlich nicht wenig Geld dabei, 2 Kameras und Bankkarten. Das hätte auch anders ausgehen können, vor allem der Waffe wegen. Aber Gott sei dank, ist alles gut ausgegangen. Nun, am 15. September ging es dann nach 12 Monaten Aufenthalt zurück nach Deutschland. Nach einem gar nicht so anstrengendem Flug wurde ich von meiner Familie in Empfang genommen. So richtig freuen konnte ich mich in dem Moment noch nicht und das tat mir ziemlich Leid. Aber es ist viel auf einmal. Ich hatte die nächste Woche noch einen dicken Jetlag und selbst jetzt weiss ich noch nicht genau, ob ich so richtig angekommen bin. Aber das wird schon. Ich fange jetzt mein Digital Media Studium in Dieburg an und damit bahnt sich etwas ganz neues in meinem Leben an! Aber natürlich will ich Kolumbien nicht vergessen. Es bleibt ein Teil von mir und ich hoffe so bald wie möglich zurückgehen zu können, ob für längere Zeit oder nicht, wird sich zeigen! Das Jahr in Kolumbien war einzigartig für mich. Erlebnisse, die ich mir niemals erträumt hätte, Freundschaften, die ich mir nie vorgestellt hätte, Erfahrungen und Erlerntes fürs Leben. Es ist wie ein Traum, bei dem ich mir nicht sicher bin, ob das nun in der Realität geschehen ist, oder ob es Produkt meiner Fantasie war. Ich bin einfach unendlich dankbar!


Kieselstein-Transport

August 1, 2010

Erfahrungsbericht Juni/Juli 2010

Juli 18, 2010

Hallo allesamt! Endlich finde ich mal wieder Zeit und Motivation, mich meinem Blog und meinen Freunden und Unterstuetzern zu widmen! Ich weiss gar nicht mehr, was jetzt so der letzte Stand war, was meine Arbeit hier in Bocachica angeht, von welchen Teams ich erzaehlt habe und was ich alles nicht erzaehlt habe.

Offensichtlich habe ich mehr vorenthalten, also mitgeteilt, ich bitte um Entschuldigung hierfuer! Mir gehts hier immer noch sehr gut und ich fuehle mich sehr heimisch! Es ist interessant, dass es anfangs Dinge gab, die ich beinahe schon hasste und die ich mir jetzt nicht wegdenken kann oder gar ploetzlich mag! Mein Spanisch hat sich mit der Zeit auch ziemlich entwickelt, alles kann ich bestimmt nicht, doch habe ich vieles gelernt was ich vorher nicht einmal ertraeumt habe! Und das ist etwas, was mir sehr viel Freude bereitet, mich in einer fremden Sprache mit Menschen aus anderen Laendern unterhalten zu koennen! Das schoene an Lateinamerika ist, dass fast in jedem Land Spanisch gesprochen wird, es also beim Reisen auch keine weiteren Schwierigkeiten in Hinsicht auf Kommunikation gibt!

Im Juni habe ich die Moeglichkeit gehabt, 2 Wochen Reisen zu gehen. Das war ein sehr schoenes Erlebnis, geplant war es, dass ich mit einem Freund die Reise antreten wuerde, leider konnte mein Freund dann kurz vorher doch nicht und so hab ich mich alleine auf den Weg nach Panama, Costa Rica und Nicaragua gemacht. Alles sehr schoene Laender, doch alle haben sie eins gemeinsam: Armut. Natuerlich gibt es auch wohlhabendere und entwickelte Staedte in diesen Laendern, doch gleichzeitig pure Armut. Ich musste dabei oft an Bocachica denken und manchmal dachte ich, dass es den Leuten in Bocachica teilweise sogar besser ergeht als den Menschen in einigen Orten in Zentralamerika. Mir kam der Gedanke, dass es vielleicht mehr Sinn machen wuerde, den Aermeren jetzt zu helfen und die Menschen, denen schon etwas geholfen wurde, sich selbst zuueberlassen. Doch gleichzeit dachte ich mir: Den Menschen in Bocachica geht es besser, weil jemand gekommen ist, um zu helfen und dennoch fehlt es ihnen noch an vielem. Es waere falsch, die Arbeit bei der Haelfte abzubrechen, weil es noch an grundlegenden Dingen wie ausgepraegte Edukation, Wohnsituationen etc.  fehlt. Es wuerde alles wieder schlimmer werden.

Das hat mich in meiner Arbeit hier bestaetigt und mir neue Motivation fuer die kommenen Monate gegeben! In Nicaragua habe ich die Chance genutzt und einen Freund aus meiner Schulzeit besucht, der in Nueva Guinea in einem Schulprojekt (ebenfalls Weltwaertsler) zu besuchen und unsere Erfahrungen auszutauschen. Das war eine sehr schoene Zeit, vor allem interessant, weil man viel aehnliches erlebt und wir uns sehr gut verstanden haben. Ich hatte auch die Moeglichkeit in sein Projekt reinzuschauen und seine Schueler kennenzulernen und einen Tag in der Schule mit Kochen zu verbringen. Nach einigen Bus-Pannen, verlorenen Tickets und sonstigen Schwierigkeiten auf der Reise kam ich in Panama am Flughafen an, um festzustellen, dass ich meine Flugtickets auf das falsche Datum gebucht hatte und nun eine Umbuchung noetig war. Das Problem wurde nach 7 Stunden, viel Wut und Sorgen gottseidank doch noch geloest! In Kolumbien ging es dann weiter mit der Arbeit! Ich fuehle mich mittlerweile auch der Arbeit ganz gewachsen, erledige fast alles zur Zufriedenheit der Mitbewohner und des Direktors und hatte bis dato keine Situation, in der ich keine Loesung oder keine Hilfe finden konnte. Darueber bin ich sehr froh und dankbar.

Seit ein paar Tagen ist auch wieder ein Team da: 15 junge Menschen aus Minnesota, USA, um ihre Ferien damit zu verbringen, 2 Wochen lang von morgens bis abends anderen Menschen zu helfen und uns in unserem Projekt zu unterstuetzen. Im Vorfeld war ich nicht so uebergluecklich, dass wieder ein Team kommt, da das mehr Arbeit, weniger Freizeit und staendige Verfuegbarkeit bedeutet, doch ich denke mir dann, dass das der Grund ist, weshalb ich hier bin! Die groesste Arbeit geschieht, wenn Teams da sind und das geschieht nicht meinetwegen und ich bin nicht hier um in der Karibik Urlaub zu machen, sondern ich habe einen Auftrag und den will ich so gut wie moeglich erledigen! Das gibt einem Motivation und macht alles nur noch halb so anstrengend! Das schoenste an allem ist, dass am Ende, nach der Abreise glueckliche Familien zurueckbleiben, die etwas erhalten haben, was nicht nur 2 Wochen da ist, sondern fuer Jahre seinen Dienst tun wird. Und mit jedem Arbeitstag naehert sich dann auch das Ende meines Aufenthaltes in Kolumbien und sehr sehr bald, in weniger als 2 Monaten, beginnt ein neuer Alltag in einem alten Umfeld, was sehr interessant und sicherlich auch herausfordernd sein wird. Doch ich denke, dass ich allen Grund habe, mich zu freuen, weil vieles und viele auf mich warten. Bis dahin konzentriere ich mich aber erstmal auf meine Arbeit hier und geniesse jeden Tag mit einem Blick aufs karibische Meer!

Ich bin unendlich dankbar!

Thomas


Hallo

Mai 23, 2010

Hallo allesamt, ich habe wieder etwas neues. Eine kurze Doku ueber das Dorf in dem ich lebe! Ich hoffe es gefaellt euch!
Gruss, Thomas

Leider kann ich das Video hier nicht einbetten, deshalb nur der Link!

http://vids.myspace.com/index.cfm?fuseaction=vids.individual&videoid=105079641


Arbeitseinblick!

April 30, 2010

Monatsbericht April

April 25, 2010

Weltwaerts-Monatsbericht April 2010

Ein weiteres Mal bemerke ich, wie schnell meine zeit hier vergeht. Es ist mittlerweile beinahe Mai und so langsam komme ich in eine Routine. Doch lange wird es so nicht bleiben, Aenderungen sind schon vorprogrammiert.

Zunaechst jedoch ein Resuemee der letzten Wochen. Wie ich schon mehrfach geschrieben habe, empfangen wir regelmaessig Teams aus verschiedenen Laendern, die fuer ein bis zwei Wochen herkommen und zusammen mit uns fuer das Dorf arbeiten. Diese Arbeit ist die offensichtlichste, da sie materieller Natur ist. Das Projekt Freiheit (Proyecto Libertad) gliedert sich in mehrere Teile, hauptsaechlich in: Konstruktion, sanitaere Hilfe, Patenschaftsprojekte und Erziehung. 

Vieles ist fuer das Auge nicht immer sichtbar, Ziele erreicht man oft erst nach langer Zeit, dennoch hat jeder Aufgabenbereich die gleiche Stellung.

Da das Projekt nicht ueber ein grosses Geldpool verfuegt, sondern staendig auf der Suche nach Spenden ist, ist es fuer uns selbst nicht moeglich aus eigener Kraft die Konstruktionsprojekte zu finanzieren und realisieren. Hier sind wir auf Hilfe von aussen angewiesen. Was diese Projekte angeht, so sind wir mehr oder weniger Vermittler, da wir den Kontakt zwischen Spender und empfaenger herstellen. Darueberhinhaus stellen wir die Arbeiter, die ueber das benoetigte Know-How verfuegen.

Die Konstruktionshilfe wiederum gliedert sich in zwei Teile: Klinikkonstruktion und Gebauede der Hilfsorganisation auf der einen Seite und Latrinen- und Fussbodenbau auf der anderen.

Der erste Teil sind langjaehrige Projekte die hauptsaechlich von uns gefuehrt werden und wo weniger Hilfe von aussen kommt. Wenn Teams da sind, bringen sie sich ein, doch auch ohne Teams wird an diesen Projekten gearbeitet, sofern die Geldmittel vorhanden sind.

Latrinen- und Fussbodenbau finden dagegen nur statt, wenn Teams von aussen kommen, da sowas in einem Zug fertiggestellt werden muss. Das bedeutet, dass wir nicht Stueck fuer Stueck dran arbeiten konnen, je nachdem wie es mit dem Geld steht. Also sind wir darauf angewiesen, dass Teams mit dem vollen Budget anreisen und sich genau auf diese kleinen Projekte konzentrieren. So koennen wir gezielt Hilfe leisten. Und so kommen seit 14 Jahren regelmaessig Teams und unterstuetzen unser Vorhaben so gut sie koennen. Wichtig ist es aber auf jeden Fall, dass jemand vor Ort ist und eine gute Beziehung zu den Einwohnern pflegt und in den nicht so offensichtlichen Bereichen wie Hygiene-, Kinder-, Schul- oder auch Erwachsenenerziehung, sowie Nachhilfeunterricht, arbeitet. Dafuer sind wir Staffmitglieder zustaendig.

 Soviel zum Theoretischen, um das Projekt und die Organisation verstaendlicher zu machen. Im Praktischen sieht das so aus, dass nach dem letzten Team, der Medizinergruppe, in den letzten Wochen zwei weitere Teams angereist sind und uns tatkraeftig unter die Arme gegriffen haben.

So war zum wiederholten Male ein Team aus North Carolina anwesend, das erste Team das anreiste als vor 14 Jahren die Organisation entstand! Mit diesem Team war es moeglich 4 Fussboeden und 3 Latrinen zu erbauen, eine Hoechstleistung, da dieses Team sich nur eine Woche in Bocachica aufhielt!

Daher war e seine sehr anstrengende Woche, auch wenn ich nicht staendig dabeiwar, da ich mich um andere Dinger und ums Haus kuemmern musste. Bevor die ganze Arbeit aber ueberhaupt stattfinden konnte, musste die vorige Woche alles vermessen und die Boden geebnet werden, was mir und einem anderen Staff zufiel. Zusaetzlich war ich auch massgeblich daran beteiligt, einen neuen Rekord im Lochschaufeln zu erstellen. Eine schwitzige und staubige Angelegenheit- aber lustig! Zum Ende der Woche konnten so 7 Familien gluecklich gemacht werden und waren auch sehr dankbar.

Eine dieser Familien, wird hoffentlich besonders zu schaetzen wissen, was sie erhalten. Wie ich erfahren hatte, besass die Familie vor einiger Zeit durch Grundstueckverkaeufe um die 200.000 Pesos, 100.000 Dollar, ein Riesenvermoegen, von dem die meisten Menschen hier und sicher auch viele in Deutschland, nur traeumen koennen. Durch schlechtes Geldwirtschaften und fehlendes Wissen beziehungsweise unweise Ausgaben, wurde das Geld binnen kuerzester Zeit verprasst. Heute lebt die Familie in einem Haus, das aus einem Zimmer besteht und dessen Waende aus gesammelten Holzbrettern gezogen wurden. Bis vor einigen Wochen hatten sie also auch nicht einmal einen richtigen Boden. Und das, obwohl Geld einst in Uebermassen vorhanden war. Doch ist es nicht unsere Aufgabe zu urteilen, sondern auch solchen eine 2. Chance zu geben und ihnen die gleiche Hilfe anzubieten wie anderen auch.

Damit aber nicht der Eindruck ensteht, dass man nur bei uns erscheinen muss und man alles geschenkt bekommt, verlangen wir von den Empfaengern der Hilfsleistungen, dass sie sich acuh einbringen. Sie muessen sich beispielsweise um Suesswasser und Sand kuemmern und es herbeischaffen. Auch soll alles vorbereitet werden, damit die arbeit direct beginnen kann. Doch auch das klappt nicht immer.

Wie auch immer, es hat geklappt und am Ende waren alle gluecklich. Vielleicht auch etwas traurig. Als das Team abreiste, flossen viele Traenen, da sich ueber die Jahre tiefe Freundschaften entwickelt hatten und Abschied ja fast immer schwer faellt.

Und wenn ich sage, dass wir regelmaessig Teams empfangen, dann bedeutet das nicht, dass alle 6 Monate ein Team kommt, sondern eher Monatlich. Mehr oder weniger. So hatten wir die letzten 2 Wochen wieder die Ehre, ein auslaendisches Team herzlich willkommen zu heissen. Dabei handelte es sich um ein kleines Team aus dem schoenen Norwegen (darunter eine Deutsche, ein Brasilianer und eine US-Amerikanerin).

Auch dieses Team konnten wir in Konstruktionsarbeiten einbinden.

Kuerzlich konnte die Organisation durch Spenden ein neues Grundstueck neben der Klinik erwerben!

Dieses Grundstueck wird zunaechst als Wasservorrat fuer die Klinik dienen. Es wird eine grosse Zisterne erbaut, doch diese wird unter dem Boden sein, so steht noch mehr Platz zur Verfuegung, zu welchem Zweck das letztendlich genutzt wird, ist noch nicht klar. Um das Grundstueck aber vor willkuerlichem Bau anderer Haeuser zu bewahren (es ist ueblich, dass auf einem “freien” Grundsteuck einfach mal eine Verlaengerung eines nebenstehenden Hauses angebracht wird) wird also als erstes eine Mauer gebaut, die das Grundstueck klar abgrenzen soll. Hier hat das Norwegenteam als erstes Team auf diesem Grundstueck Pioniersarbeit geleistet! Freitag ist das Team abgereist und Montag steht schon das naechste an, ein Team aus Bogota, das jedoch nicht in unserem Projekt mithelfen wird, sondern ein eigenes Projekt auf der Insel gestartet hat aber in Kooperation mit uns steht und nur von uns beherbergt wird.

Zum Anfang erwaehnte ich, dass neue Aenderungen anstehen. Einiges davon ist tatsaechlich schon eingetreten: Letzten Monat verliess Rebecca nach 6 Monaten das Projekt und wurde von der neuen Weltwaertslerin Dorothee (hier Mirjam genannt) abgeloest. Mirjam/Dorothee ist die neue Krankenschwester und bleibt auch fuer 6 Monate bis im September ganz neue Weltwaertsler eintreffen und wir hier abreisen. Gestern ist nun auch das Ehepaar Pili und Guillermo aus Chile/Brasilien nach einjaehrigem Aufenthalt abgereist. Beide haben eine Riesenarbeit in der Bevoelkerung geleistet und viel Liebe von den Menschen hier erfahren. Somit bleiben vor Ort nur noch 2 Maenner. Mein Zimmernachbar und ich. Doch auch das aendert sich in einem Monat, da Riccardo sich verabschieden wird, um sich seiner Autorentaetigkeit zu widmen, zur Zeit ist er noch als Architekt zustaendig fuer den Bau der Klinik.

Ab Juni bin ich also mehr oder weniger auf mich allein gestellt. Aber der Uebergang ist denke ich gut, da ich von Hilfsassistent zum Verantwortlichen mit Hilfestellung von Riccardo wurde und nun alleine zustaendig fuer alles sein werde. Es liegt voraussichtlich viel Arbeit vor mir, doch wenigstens wurde ich nicht ganz ins kalte Wasser geschmissen.

Das sind die Neuigkeiten aus Bocachica/ Kolumbien die mich betreffen. Ich fuehle mich gut und bin nachwievor sehr froh ueber das Privileg, als Weltwaertsler hier vor Ort sein zu duerfen. Vielen Dank fuer alle Unterstuetzung und Gottes Segen allen!

Liebe Gruesse,

Thomas                                                                                   

Bocachica, 25.04.2010


Monatsbericht Februar/Maerz

März 13, 2010

Weltwaerts-Monatsbericht Februar/Maerz 2010

Halbzeit. 6 Monate Kolumbien. 6 Monate Erfahrungen. 6 Monate . Und 6 Monate mehr. Ich bin wieder mit den Berichten nicht nachgekommen. Anhand der anstehenden Berichte merke ich, wie schnell die Zeit vergeht. Zumindest fuer mich. Anderen kommt es sehr langsam vor. Ich erlebe jedoch so viel, dass ich schon Angst bekomme, die verbliebene Zeit nicht gaenzlich ausscoepfen zu koennen- und mir etwas verloren geht. Doch alleine was ich in den vergangenen Monaten  erleben durfte, waere genug um sagen zu koennen: Es hat sich gelohnt! Damit sage ich bestimmt nicht, dass alles super und schoen ist. Gewiss nicht. Es gibt genuegend Dinge mit denen ich zu kaempfen habe, einiges, was mich schon seit Beginn stoert, anderes was kommt und vergeht. Doch ich denke, dass das dazugehoert, und man aus den meisten Dingen etwas lernen oder zumindest etwas Gutes entnehmen kann. Aber auch hier muss ich einwenden, dass fuer mich nicht immer alles Sinn macht. Aber das muesste es wert sein. Seit dem letzten Bericht habe ich einige spannende und anstrengende Monate hinter mir. Einzelheiten fallen mir nicht mehr so gut ein, doch war die Zeit vollgepackt mit viel Arbeit und Umstellung.  Ich denke, ich habe schon  einmal erwaehnt, dass unser Team vor Ort etwas geschrumpft ist. Langzeitmitarbeiter haben das Team verlassen um sich woanders neuzuorientieren oder ein Studium zu beginnen. Unsere Krankenschwester die 7 Jahre auf der Insel gedient hat, ist jetzt in einem neuen Projekt taetig und mein Supervisor ist zum Studieren nach Bogota gezogen. Fuer beide Personen haben wir einen “Ersatz” gefunden: Eine Krankenschwester ist eingesprungen bis Dorothee, eine neue Weltwaerts-lerin hier eintrifft. Was meinen Supervisor angeht, der in der Instandhaltung und Klinikkonstruktion taetig war, wurde auch jemand passendes gefunden: Ich. Zumindest behauptet man hier, ich wuerde passen. Hier kommt nun die Umstellung ins Spiel. War ich bisher immer der “kleine Helfer” , so bin ich nun verantwortlich fuer den Bereich der Instandhaltung. Das wiederum bedeutet, dass ich nciht einfach nur ausfuehre,w as mir gerade gesagt wird und ich mal hier einen Hammer halte und dort einen Schraubenzieher holen darf, sondern, dass ich diese Arbeiten die anfallen-sofern es mir moeglich ist- selbstaendig erledigen muss. Das hat mir ein wenig Angst bereitet, doch bisher hat noch alles ganz gut geklappt. Und damit mir nicht langweilig wurde in der Zwischenzeit, habe ich mcih umgeguckt und ein Projekt fuer mich gefunden: Unser heruntergekommeener Werkzeugraum, oder wie der Direktor zu sagen pflegt: Das Herz der Hilfsorganisation. Ohne Werkzeugraum waere die hilfsarbeit nur halb so effektiv, denn mit den Werkzeugen wird die meiste Arbeit geleistet und so muessen diese dementsprechend gut untergebracht und aufgehoben sein. Also habe ich einen neuen Plan fuer den Raum erstellt und das Projekt vorgestellt, was sehr gut ankam. So bin ich mit meinem neuen Zimmernachbar Riccardo (ein Architekt, der fuer den bau der Klinik momentan verantwortlich ist) nach Cartagena um Material auf die Insel zu schaffen. Das war schon ein kleines Abenteuer, ohne ins Detail zu gehen: anders als in Deutschland! Sobald das Materiald a war, fing die Arbeit an; auch eine neue Erfahrung. Der Raum ist zwar klein, aber es war genug Arbeit die neuen Regale zu bauen, vor allem, da ich sowas nie zuvor gemacht habe und man mir nachsagt, ich haette 2 linke Haende. Wie dem auch sei, nach einer langen und anstrengenden Woche (ich war unter Zeitdruck, da ich es zum Ende der Woche fertig haben musste) war das projekt zum groessten Teil fertig. Um rechtzeitig fertig zu werden ging diese Woche mein Arbetistag von 8 Uhr morgens bis 18/19 Uhr. Am letzten Abend-mir gings es gesundheitlich schlecht- waren wir-der Architekt und ich- bis 21 Uhr beschaeftigt. Nun habe ich aber etwas, wo ich mit Stolz drauf sehen kann und weiss, dass es noch lange nachdem ich weggehen werde, seinen Dienst erfuellen wird.

Projekt beendet und schon kam das naechste Hilfsteam: 14 Mediziner aus den USA.  Mit ihnen wurde die Klinik sozusagen eingeweiht, noch lange bevor sie ueberhaupt fertiggestellt sein wird. Doch mit dem wenigen (oder auch mittlerweile etwas mehr) was da war, konnte eine Riesenarbeit getan werden, die in erster Linie den Einwohnern Bocachicas zugute kam. Im vornherein wurden Nummern verkauft, da nur eine begrenzte Anzahl von Leuten behandelt werden konnte. Die Aerzte brachten Medikamente und Geldmittel um Medikamente zu besorgen in hohen Geldsummen mit. Die Nummern wurden somit aus 2 Gruenden verlauft. 1. Um zu verhindern, dass ein Ansturm und Unordnung herrschen wuerde und 2. Dass die Menschen etwas geben und nicht erwarten, dass man alles umsonst bekommt.  Im Endeffekt wurden die Nummer zu umgerechent 30 Eurocent verklauft, aber der verkauf war eher eine psychologische Sache, schaetze ich, und nicht um irgendwelche Kosten zu decken.

Jedenfalls wurden viele Behandlungen durchgefuehrt, Medikamente verteilt und Menschen gleucklich gemacht! Viele kamen mit einem  riesigen Laecheln auf dem Gesicht aus den Behandlungsraeumen und sprachen ihren Dank aus. Beispielweise bekam eine Frau eine Operation an ihren Ohren, die in den USA 600 Dollar gekostet haette- ein unbezahlbares Vermoegen fuer diese Frau und hier erhielt sie es fuer 30 Cent! Und was mich auch gefreut hatte, war, dass ich mich etwas einbringen durfte! Zunaechst nur mit dem Aufbau und der Administration, kurz-Hilfe wo sie noetig war. Doch gegen Ende der Woche fehlte es an Uebersetzern, sodass ich gebeten wurde, einzuspringen und die Patienten zu uebersetzen. Gott sei Dank, hat das wirklich gut geklappt auch wenn ich das eine oder andere Wort nachschlagen musste. Bei einem Fall durfte ich sogar waehrend einer OP uebersetzen. Das gestaltete sich etwas schwierig als ich mit ansah, wie ein Tumor aus dem Koerper eines Mannes rausgeschnitten wurde. Eine sehr interessante Erfahrung, jedoch nciht so leiht zu verdauen, wenn man einen schwachen Magen wie den meinen hat. Trotzdem: Daumen hoch!

Alles in allem, war es wieder eine anstrengende Woche-ich musste Toilettenwasser fuer ca 35 Personen jeden Morgen beschaffen, bekam aber etwas Hilfe von einem Local. Doch konnten wir in dieser Woche  ziemlich genau 400 Menschen gleucklich machen, darunter auch viele, die keine Nummer gekauft hatten aber die wir reinschieben konnten.

Etwas ganz anderes, was mich jedoch zum Denken angeregt hat, war ein kleines alltaegliches Erlebnis vor kurzem. Vor unserem Gebaeude, wo ich wohne, spielen staendig kleine Kinder. Und die Kinder koenen sehr frech werden. Ein eingeschmissenes Fenster ist da auch keine Ueberraschung. Wenn man die Kinder nun ermahnt,w eil sie stoeren oder einen aergern moechten, regt sie das nur an, es aerger zu treiben. Ich dachte bisher immer, dass ich gut mit Kindern umgehen koennte und wenn sie nicht hoeren, meine Autoritaet den Rest gebe. Nun, das klappt hier eher selten. Ich kann mich da schnell aufregen. Das lustige ist, dass ich mich mittlerweile sogar auf Spanisch aufregen kann.Helfen tuts trotzdem nicht. Aber wir haben im Team einE Frau, die eine echte Gabe fuer Kinder hat und mit ihnen sehr gut umgehen kann. So kam es dazu, dass ein paar Kinder dachten, es sei lustig staendig an die Tuer zu klopfen. Also gehe ich zur Tuer und sage, sie sollen bitte aufhoeren,d a wir sonst nciht unterscheiden koennen ob nun ein Notfalld aist und jemand zur Krankenschwester ist oder ob nur jemand Spass macht. Sobald ich die Tuer schliesse, klopfts wieder, ich mittlerweile wuetend. Doch anstatt mich aufzuregen rufe ich die oben gennante Frau zu Hilfe. Nach 2 Minuten ist es still. Als sie zurueckkommt, frage ich, was sie getan haette. Daraufhin meint sie:” Ich habe die Jungs hereingebeten und ihnen gesagt, sie sollen herein kommen, da sie ja geklopft haetten und ich aufgemacht habe. Danach hab ich ihnen erklaert warum man klopft und da sie gar nicht reinwollten, hab ich sie gebeten wiederzugehen und nciht zu klopfen.” Das war mir zu einfach, doch dann fuegte sie hinzu, dass man den Kindern erst zeigen musste, dass man Liebe fuer sie habe, bevor sie ueberhaupt bereit waeren, zu hoeren oder etwas zu empfangen. Ohne Liebe waere es fuer die Kinder dort einfach nur wieder eine Schelte. Und das fand ich sehr interessant und acuh etwas traurig, denn viele Kinder bekommen sehr wenig Liebe von ihren Eltern und um das zu kompensieren suchen sie nach Aufmerksamkeit, was sich in Ungehorsam und Streichen aeussert. Dabei wollen sie im Grunde nur Liebe bekommen, was sie nicht verstehen ist, dass die meisten gegenteilig auf diesen Ruf reagieren. Zumindest werde ich nun aber dem Rat der Mitarbeiterin befolgen und es auf andere Art versuchen.

Das waere soweit alles erzaehlenswerte, was mir momentan einfaellt. Sollte jemand noch Fragen zu etwas bestimmten haben, etwas genauer erlaeutert haben wollen, ich stehe zur Verfuegung. Und jetzt werde ich den Rest meines Wochenendes in Cartagena geniessen um wieder gestaerkt fuer die folgende Woche auf die Insel zurueckkehren zu koennen.

Vielen Dank an alle, fuer das Interesse, das ihr mir entgegenbringt. Ich hoffe es geht jedem gut und freue mich ueber jede Antwort!

Viele Gruesse,

Euer Thomas

Cartagena, 13.Maerz 2010

Thomas Eberhard-Weltwaertsfreiwilliger in Bocachica/Kolumbien

www.soythomas.wordpress.com Neue Bilder!


Freizeit

Februar 20, 2010



Arbeit

Februar 20, 2010


3. Rundbrief November/Dezember/Januar

Februar 3, 2010

 

Hallo ihr Lieben,

hat wieder etwas länger gedauert und dabei wollte ich ja eigentlich meinen Zwischenbericht schon am Wochenende verschicken. Jetzt liegt besagtes Wochenende auch schon eine ganze Woche zurück und keiner hat irgendwas bekommen- außer meine Organisation. Der Grund, weshalb ich den Zwischenbericht bisher noch nicht versendet habe, ist, dass ich nach einigem Überlegen festgestellt habe, dass er sich als Bericht für Freunde und Unterstützer wenig eignet. Deshalb schreibe ich ich jetzt noch ein Mal einen neuen Bericht, der möglicherweise etwas kürzer, dafür aber persönlicher ausfallen wird. Inhaltsmäßig möchte ich keinem etwas vorenthalten.

Es ist einiges passiert in den letzten – Monaten???- wie ich gerade bemerke. Verglichen mit den letzen Wochen, waren die ersten Monate mehr ein gemütlicher Zeitvertreib. Wir hatten in der Station Besuch- 2 Teams zur gleichen Zeit. Das erste Team bestand aus 16 jungen Chilenen, die gekommen waren, um unserem Projekt ein wenig unter die Arme zu greifen. Auf dem Programm standen Latrinenbau, Strandsäuberung, Hausbesuche um die Menschen kennenzulernen, Kinderprogramm und vieles anderes. Für einige Tage hatten wir auch ein Team aus Bogota im Haus, sowie Wolfgang Hanslik, Mitarbeiter des Weltwärts-Teams und unsere zwei Weltwärtsler aus Brasilien. An einigen Tagen waren wir somit 47 Leute zur gleichen Zeit an einem Ort, der für weitaus wenigere Leute ausgelegt ist. Gott sei Dank, fiel unser Zwischenseminar genau auf diese Zeit, sodass wir größtenteils von dem Chaos verschont wurden. In den Tagen wo wir aber doch da waren, haben wir uns selbstverständlich mit eingebracht und so beim Säubern des Strandes mitgeholfen (er sah deutlich sauberer aus, dennoch würde ich dort immer noch nicht baden gehen!), und sogar die Brasilien-Weltwärtsler konnten sich beim Latrinenbau einbringen. Vielen Dank an dieser Stelle. Zwei Familien konnte auf diese Weise geholfen werden und sie waren sehr dankbar dafür!

Nun, wie gesagt, fiel aber das Zwischenseminar auf diese Zeit und wir durften eine wunderbare Woche gemeinsam im himmlischen Tayrona-Park verbringen (als exotisches Urlaubsziel dringendst zu empfehlen, Kolumbien kann es gut gebrauchen! Wer ingesamt an einem Urlaub in Kolumbien interessiert ist- bei mir fragen! Habe einige Tips bekommen und besonders an der Küste leben die meisten Menschen vom Tourismus, der sich jedoch sehr in Grenzen hält.) Aber zurück zum Zwischenseminar: Zwischen Strand und Dschungel wurden unsere bisherigen Erlebnisse berichtet und evaluiert. Wir haben einiges an Input bekommen um uns für die nächsten Monate vorzubereiten und konnten uns viel über unsere jeweiligen Erfahrungen austauschen. Dabei war es sehr interessant für mich, zu hören, wie es Marco und Tobias in Brasilien so erging. Dabei wurde ganz deutlich, dass die Probleme oft ähnlich waren.

Auf dem Seminar wurden folgende Aspekte thematisiert:

-Bericht über das Land und Kultur

-Vorstellung/Beschreibung Deiner persönliche Entwicklungstätigkeit

-Welche Erfahrungen habe ich dabei gemacht (positiv/negativ)?

-Inwieweit hat mir dabei das Vorbereitungssemniar geholfen (konkret bei was, Themen, soz. Kompetenz etc.)?

-Was ist derzeit für mich am lehrreichsten?

-Was fällt mir derzeit besonders schwer (Kämpfe, Sorgen, Ängste, Anpassung…)?

-Wie sieht es derzeit mit meinen zwischenmenschlichen Beziehungen aus

-Wie fühle ich mich betreut (EO, Mentor vorort, Leitung vorort etc.)

-Kontakt mit zu Hause

Bei Interesse an meinem Zwischenbericht, bitte einfach melden und ich werde in Erfahrung bringen, ob mein Zwischenbericht auch für andere einsehbar ist, oder nur für Weltwärts bestimmt ist. Könnte ja sein.

Nun ja, insgesamt war es eine tolle Zeit, die mir viel Kraft und Erholung gegeben hat, vielen Dank für dieses Zwischenseminar Weltwärts!

Zurück in Bocachica geht alles wieder seinem alten Gang nach. Es steht viel an, was Arbeit betrifft. Eine Langzeit-Mitarbeiterin hat mittlerweile nach 7 Jahren Einsatz hier auf der Insel, die Station verlassen. Sie war die Krankenschwester der Station, die jahrelang die Bewohner der Insel verarztet und konsultiert hatte. Zum Glück kommt durch das Weltwärtsprogramm für 6 Monate ein Ersatz. Die neue Freiwillige soll im März Rebecca ablösen, die nach einem Aufenthalt von 6 Monaten ihren Einsatz beenden wird und nach Deutschland zurückkehrt. Insgesamt macht die Organisation hier eine große Veränderung durch, da einige Langzeitmitarbeiter das Projekt verlassen um Studium, Arbeit oder sonstiges nachzugehen. Dadurch ist das Personal sehr knapp, und es fällt mehr Arbeit auf den Einzelnen zu. Dies betrifft mich nicht zuletzt, da mein Supervisor nun auch gehen wird und ich in nächster Zeit so ziemlich der einzige Junge in der Station sein werde und jede handwerkliche Arbeit mir zufallen. Darauf fühle ich mich gänzlich unvorbereitet und habe einige Befürchtungen, den Ansprüchen nicht zu genügen, da dies eine völlig neue Situation für mich ist mit der ich erst einmal vertraut werden muss. Doch bevor man sich beschwert: Ausprobieren! Ich hoffe nur, dass mir die wichtigsten Aufgaben gelingen. Und wenn nicht, gibt es noch Google. Oder auch Inselbewohner, die mir sicherlich hilfsbereit unter die Arme greifen. Anstrengend wird es aber in jedem Fall, befürchte, was jedoch nicht unbedingt schlecht sein muss. Wenn es soweit ist, wird selbstverständlich davon berichtet.

Was meine Wenigkeit angeht; mir geht es ziemlich gut. Bin des Öfteren müde und erschöpft, genieße meine Zeit aber wirklich sehr. Besonders die Wochenenden sind ein Segen. Sooft es das Taschengeld erlaubt, verbringe ich das Wochenende in Cartagena (wunderschön, besonders in der Nacht!) Dort habe ich viele Möglichkeiten meine Freizeit zu gestalten. Das Beste jedoch sind meine Freunde in Cartagena. Ich habe mich mit einer Familie befreundet, die mich und meine 2 deutschen Mitfreiwilligen als neue Familienmitglieder aufgenommen hat. Und genauso behandeln sie uns.Wir verbringen die meisten Wochenenden bei ihnen zu Hause. So eine ausgesprochene Gastfreundschaft habe ich in meinem Leben noch nicht erlebt. Wenn die Eltern mir sagen, ich sei wie ein Sohn für sie, dann ist das nicht einfach ein Spruch, sondern wird genauso umgesetzt. Wir werden bekocht, eingeladen wenn wir ausgehen und uns zu revanchieren ist kaum möglich, da wir ja als Familienmitglieder selbstverständlich alles von den Eltern bekommen. Hier und da können wir uns dann aber doch mit einer Kleinigkeit bei unseren neuen „Eltern“ bedanken, worüber auch sie sich freuen. Ihre Kinder sind auch sehr gute Freunde, wodurch wir am kolumbianischen Alltag teilhaben dürfen und viele Dinge erleben, die wir so isoliert auf der Insel nicht erleben könnten. Wobei die Insel ihre eigenen Vorzüge gegenüber der Stadt und deren Bewohner hat. So bekommen auf jeden Fall das volle Paket Kolumbiens geliefert: Ein absolutes Privileg wofür ich wirklich sehr, sehr dankbar bin!

Vielleicht erinnert sich auch der Eine oder Andere, dass ich kleine Probleme mit meinem Fußzeh hatte. Nun, hundert prozentige Heilung ist wohl noch nicht eingetreten, doch gehören Schmerz und Eiter fürs Erste der Vergangenheit an. Nur ab und zu tut es noch ein wenig weh und ist etwas rot angeschwollen, aber verglichen mit dem vorherigen Zustand bin ich einfach glücklich. Ich hoffe das bleibt so und verheilt vollkommen. Danke an dieser Stelle für die Sorge und das Nachfragen vieler Freunde und Verwandten!

Jetzt habe ich schon so viel geschrieben aber eine kleine Geschichte möchte ich euch dennoch nicht enthalten. Ich hatte eine kleine filmreife Aktion mit dem Security Service Kolumbiens. Ich war in Cartagena unterwegs und als ich ein Taxi benutzen wollte fällt mir auf, dass mein Geldbeutel abhanden gekommen ist. Inhalt: Etwas Geld, Bankkarte, Kolumbianischer Ausweis und persönliche Dinge. Erster Gedanke: Ich wurde beklaut. Kurze Zeit später erhalte ich einen Anruf. Ein Freund aus Bocachica erzählt mir, dass er soeben angerufen wurde von einer unbekannten Person, die meine Papiere gefunden habe. Als ich wieder auf der Insel bin ruf ich mit dem Freund besagte Person an. 100 000 Pesos Finderlohn sollten reichen, erklärt mir der Finder. Ich weigere mich und wir einigen uns auf die Hälfte, ich bin jedoch nicht wirklich bereit für mein Eigentum zu zahlen. Hinzukommt, dass ich noch stärker fühle, Opfer eines Diebes geworden zu sein. Nachdem ich ein Treffen ausgemacht habe, frage ich nach Rat. Mein kolumbianischer „Papa“ vermittelt mich dem Security Service, zu dem ich tatsächlich mit einem Freund gehe und die Situation darlege. Prompt wird ein Detektiventeam mit 2 Autos, Kamerafrau und einigen verdeckten Ermittlerin mit mir geschickt. Ich wusste sofort, dass ich mich da in etwas reinreite, also erkläre ich von vornherein, dass ich nicht wisse, ob ich nun tatsächlich beraubt wurde oder sich jemand nur einen Vorteil aus meiner Situation erhofft. Also fahren wir zum besagten Treffort, ich treffe den Jungen mit einem Freund. Die Sache wird geklärt, ich gebe ein Viertel vom ursprünglichen Preis und bin zufrieden, laufe zurück zum DAS (Departemente Administrativo de Seguridad->Security Service) um zu erklären, dass alles ok sei. Um mich zu erklären, warum ich überhaupt das DAS eingeschaltet habe: Ich habe den Rat vieler Leute befolgt, da oft solche Geschichten besonders für Ausländer nicht so gut ausgehen und deshalb Vorsicht wirklich angebracht ist, auch wenn nicht unbedingt so übertrieben, aber ich hatte ja keine Ahnung, das gleich so ein Team anrückt und was danach geschehen würde. Ich komme mit dem Gutglauben an, alles erklären zu können und die Geschichte sei gegessen. Naja, so einfach ist es im seltensten Fall. Ich werde in einen Raum gebeten, wo ich schon empfangen werde, vond en Detektiven und- den 2 Jungen, beide festgenommen. Nun, eine kleine Befragung findet statt, mir wird klargemacht, dass eine Anzeige erwartet wird, wogegen ich jedoch Einspruch erhebe, da alles ok ausgegangen war und ich den Jungs nichts Schlechtes wollte, obwohl sie nicht wirklich ehrlich gehandelt hatten. Meine Entscheidung traf nicht besonders auf Sympathie, weshalb ich erstmal eine Rede eines sehr wütenden Agenten anhören musste. Nun denn, das Geld bekam ich zurück und die Jungs wurden freigelassen. Ich hatte dennoch kein Gutes Gefühl bei der Sache. Später erfahre ich, dass die Jungs den Freund in Bocachica angerufen haben und sehr verängstigt waren, dass ich sie dennoch später anzeigen würde, was ((wirklich) ihre Leben ruinieren würde, da sie als Studenten mit einem Anzeigeeintrag in ihrem polizeilichen Führungszeugnis aus der Universität fliegen würden und auch wohl kaum eine Arbeit finden würden. Letztendlich habe ich sie angerufen, sie beruhigt, dass ich sie auf jeden Fall nicht anzeigen würde und auch die ganze Situation geschildert, dass es nicht meine Intention gewesen war, sie anzuzeigen (höchstens im eindeutigen Fall von Diebstahl). Nun ist alles ok, die Jungs können mich verstehen und es steht nichts zwischen uns und haben hoffentlich etwas gelernt. Und ich habe Gott sei Dank wieder Frieden.

Tut mir Leid für die lange Schilderung, vielleicht ist das gar nicht so interessant gewesen, ich wollte mich aber nur mal mitteilen.

Ansonsten (habe ich das Wort schon mehrmals benutzt oder kommt es mir nur so vor?!? Egal, also…ANSONSTEN) ist nichts nennenswertes geschehen und ich fühle mich sehr gut, werde demnächst besser auf mich aufpassen und hoffe, dass ich noch viel erlebe, vornehmlich Gutes.

Viele Grüße aus Kolumbien,

Thomas!

Ps: Einige wenige neue Bilder auf meinem Blog: www.soythomas.wordpress.com

Und falls immernoch jemand etwas Geld zum Spenden übrig hat, dann würde ich und meine Organisation sich freuen, diese zu erhalten.

Dabei besteht einmal die Möglichkeit für mein Projekt (Klinikbau, Suppenküche und Hilfsprojekte) zu Spenden oder meine Entsendeorganisation mit Geld zu unterstützden, um sie zu entlasten und damit anderen jungen Menschen die weiterhin die Möglichkeit zu bieten, ähnliches zu erleben ( also das mit Ausland und Entwicklungshilfe und Kultur kennenlernen). Beide Organisationen können das Geld unbedingt gebrauchen! Bei Fragen bitte mailen, ich antworte so schnell es geht

Vielen Dank!

 


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