Erfahrungsbericht Juni/Juli 2010

Hallo allesamt! Endlich finde ich mal wieder Zeit und Motivation, mich meinem Blog und meinen Freunden und Unterstuetzern zu widmen! Ich weiss gar nicht mehr, was jetzt so der letzte Stand war, was meine Arbeit hier in Bocachica angeht, von welchen Teams ich erzaehlt habe und was ich alles nicht erzaehlt habe.

Offensichtlich habe ich mehr vorenthalten, also mitgeteilt, ich bitte um Entschuldigung hierfuer! Mir gehts hier immer noch sehr gut und ich fuehle mich sehr heimisch! Es ist interessant, dass es anfangs Dinge gab, die ich beinahe schon hasste und die ich mir jetzt nicht wegdenken kann oder gar ploetzlich mag! Mein Spanisch hat sich mit der Zeit auch ziemlich entwickelt, alles kann ich bestimmt nicht, doch habe ich vieles gelernt was ich vorher nicht einmal ertraeumt habe! Und das ist etwas, was mir sehr viel Freude bereitet, mich in einer fremden Sprache mit Menschen aus anderen Laendern unterhalten zu koennen! Das schoene an Lateinamerika ist, dass fast in jedem Land Spanisch gesprochen wird, es also beim Reisen auch keine weiteren Schwierigkeiten in Hinsicht auf Kommunikation gibt!

Im Juni habe ich die Moeglichkeit gehabt, 2 Wochen Reisen zu gehen. Das war ein sehr schoenes Erlebnis, geplant war es, dass ich mit einem Freund die Reise antreten wuerde, leider konnte mein Freund dann kurz vorher doch nicht und so hab ich mich alleine auf den Weg nach Panama, Costa Rica und Nicaragua gemacht. Alles sehr schoene Laender, doch alle haben sie eins gemeinsam: Armut. Natuerlich gibt es auch wohlhabendere und entwickelte Staedte in diesen Laendern, doch gleichzeitig pure Armut. Ich musste dabei oft an Bocachica denken und manchmal dachte ich, dass es den Leuten in Bocachica teilweise sogar besser ergeht als den Menschen in einigen Orten in Zentralamerika. Mir kam der Gedanke, dass es vielleicht mehr Sinn machen wuerde, den Aermeren jetzt zu helfen und die Menschen, denen schon etwas geholfen wurde, sich selbst zuueberlassen. Doch gleichzeit dachte ich mir: Den Menschen in Bocachica geht es besser, weil jemand gekommen ist, um zu helfen und dennoch fehlt es ihnen noch an vielem. Es waere falsch, die Arbeit bei der Haelfte abzubrechen, weil es noch an grundlegenden Dingen wie ausgepraegte Edukation, Wohnsituationen etc.  fehlt. Es wuerde alles wieder schlimmer werden.

Das hat mich in meiner Arbeit hier bestaetigt und mir neue Motivation fuer die kommenen Monate gegeben! In Nicaragua habe ich die Chance genutzt und einen Freund aus meiner Schulzeit besucht, der in Nueva Guinea in einem Schulprojekt (ebenfalls Weltwaertsler) zu besuchen und unsere Erfahrungen auszutauschen. Das war eine sehr schoene Zeit, vor allem interessant, weil man viel aehnliches erlebt und wir uns sehr gut verstanden haben. Ich hatte auch die Moeglichkeit in sein Projekt reinzuschauen und seine Schueler kennenzulernen und einen Tag in der Schule mit Kochen zu verbringen. Nach einigen Bus-Pannen, verlorenen Tickets und sonstigen Schwierigkeiten auf der Reise kam ich in Panama am Flughafen an, um festzustellen, dass ich meine Flugtickets auf das falsche Datum gebucht hatte und nun eine Umbuchung noetig war. Das Problem wurde nach 7 Stunden, viel Wut und Sorgen gottseidank doch noch geloest! In Kolumbien ging es dann weiter mit der Arbeit! Ich fuehle mich mittlerweile auch der Arbeit ganz gewachsen, erledige fast alles zur Zufriedenheit der Mitbewohner und des Direktors und hatte bis dato keine Situation, in der ich keine Loesung oder keine Hilfe finden konnte. Darueber bin ich sehr froh und dankbar.

Seit ein paar Tagen ist auch wieder ein Team da: 15 junge Menschen aus Minnesota, USA, um ihre Ferien damit zu verbringen, 2 Wochen lang von morgens bis abends anderen Menschen zu helfen und uns in unserem Projekt zu unterstuetzen. Im Vorfeld war ich nicht so uebergluecklich, dass wieder ein Team kommt, da das mehr Arbeit, weniger Freizeit und staendige Verfuegbarkeit bedeutet, doch ich denke mir dann, dass das der Grund ist, weshalb ich hier bin! Die groesste Arbeit geschieht, wenn Teams da sind und das geschieht nicht meinetwegen und ich bin nicht hier um in der Karibik Urlaub zu machen, sondern ich habe einen Auftrag und den will ich so gut wie moeglich erledigen! Das gibt einem Motivation und macht alles nur noch halb so anstrengend! Das schoenste an allem ist, dass am Ende, nach der Abreise glueckliche Familien zurueckbleiben, die etwas erhalten haben, was nicht nur 2 Wochen da ist, sondern fuer Jahre seinen Dienst tun wird. Und mit jedem Arbeitstag naehert sich dann auch das Ende meines Aufenthaltes in Kolumbien und sehr sehr bald, in weniger als 2 Monaten, beginnt ein neuer Alltag in einem alten Umfeld, was sehr interessant und sicherlich auch herausfordernd sein wird. Doch ich denke, dass ich allen Grund habe, mich zu freuen, weil vieles und viele auf mich warten. Bis dahin konzentriere ich mich aber erstmal auf meine Arbeit hier und geniesse jeden Tag mit einem Blick aufs karibische Meer!

Ich bin unendlich dankbar!

Thomas

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